Suche
  • Ulrike Lohmann

Hochzeit und Corona und irgendetwas mit „Gewissen“

Es wird höchste Zeit, dass ich endlich etwas zu diesem Thema schreibe - Danke Poro! Ja, wie ist das … ist es „egoistisch“, sich jetzt, wo die ganze Welt auf dem Kopf zu stehen scheint, um seine Hochzeit zu sorgen? Das hat mich eine Braut gefragt, die selbst Ärztin ist und täglich unter einem wahnsinnigen physischen und psychischen Druck ganz, ganz weit vorn gegen den Feind, das Virus, kämpft – für mich unbestritten eine Heldin.

Ärztin, Heldin und Egoismus … Ihr merkt selbst, das passt irgendwo so gar nicht zusammen, oder?

Und brechen wir das mal runter: egal ob als Ärztin, in den ganzen Pflegeberufen, im Supermarkt, als Eltern, im Homeoffice, in Kurzarbeit, in der Verwaltung, auf den LKW`s und, und, und … Ihr alle steht doch plötzlich vor Herausforderungen, auf die Ihr kein bisschen vorbereitet seid. Keiner von uns kann doch sein / ihr gewohntes Leben weiterführen. Wir alle kämpfen doch gerade, jeder auf seine Art und Weise – auch dafür, unser wunderbar freies und unbedrohtes Leben wieder zu bekommen.

Ich weiß nicht wie es Euch geht aber wenn ich mich auf etwas freuen kann, gibt mir das unheimlich viel Kraft. Manchmal hilft es mir, einfach den Kopf frei zu bekommen oder durchzuatmen oder die Hoffnung nicht zu verlieren. Immer aber pusht es mich weiter zu machen, den Kopf eben nicht in den Sand zu stecken sondern immer Stück für Stück weiter zu kämpfen.

Klingt nach „Küchenphilosophie“? Ist es nicht. Ist das, was ich eben persönlich ganz, ganz tief in der – bei mir war es eine schon ziemlich heftige gesundheitliche – Krise erlebt habe. Soll ich erzählen? Ok, aber nur wenn Ihr mir versprecht, mich nie-niemals auch nur mit einem Hauch Betroffenheit anzusehen, dürft Ihr weiterlesen:

Anfang 2011 bekam ich die Diagnose Gebärmutterhalskrebs im fortgeschrittenem Stadium. Es folgten Chemo und Bestrahlungen mit guten Heilungschancen. Die Bestrahlungen waren dann auch so gut, dass sie nicht nur den Tumor sondern leider auch ziemlich viel Gewebe einfach weggestrahlt haben. Es folgten weitere Operationen, Fistelbildungen, wieder Operationen, immer mal wieder Blutstürze mal mehr, mal weniger lebensbedrohlich und immer noch ungefähr alle zwei /drei Jahre irgendwas Neues, was mich dann einfach so weg kickt, dass ich für einige Zeit die lieben Schwestern in der Charitè oder im Klinikum Eberswalde besuchen darf und mehr wollt Ihr dazu wirklich nicht wissen. Zurück zum Thema: ohne meine Familie, ohne Freunde und auch ohne die schlichte Vorfreude, diese alle wieder um mich und mit Ihnen gemeinsame Erlebnisse zu haben , hätte ich irgendwann vielleicht einfach die Nase voll gehabt immer wieder gegen diese doofe Krankheit zu kämpfen. Und ja, ich war mehrfach in Situationen, wo mir diese Sturheit, nicht aufgeben zu wollen – das Leben gerettet hat.

Aber zurück zum Thema: Nein, es ist nicht egoistisch - es kann sogar überlebenswichtig sein, sich weiterhin auf Dinge zu freuen und es gibt einfach verdammt viel Kraft und genau die können wir jetzt doch am allermeisten gebrauchen. Oder seht Ihr das anders?

Hui … ist länger geworden als gedacht. Auf die rechtlichen Seiten gehe ich morgen ein. Ich finde, das passt gerade nicht.

0 Ansichten

Schloss Kröchlendorff e.V.

Oskar-von-Arnim-Straße 1 

17291 Nordwestuckermark 

Tel: 039856 174314 

Fax 039856 1743 16

info@schlosskroechlendorff.com